Verein

Wie alles begann

Sicher - Vogelliebhaber gab es in und um Zittau bestimmt schon immer. Die Gründung des Vereins Ziergeflügel und Exoten Zittau-Land e.V., der als einziger die wechselvollen Zeiten überdauert hat, ging jedoch erst mit dem Datum 5. März 1962 in die Annalen ein. Warum aber die plötz liche Geburt? „Wer in der DDR als Privatmann Exoten halten wollte, hatte es nicht leicht. Vor allem wenn es nicht nur um einen einzelnen Wellensittich ging, sondern ein ganzer Schwarm oder vielleicht mehrere Arten zu versorgen waren. Dann nämlich kam es auf die Menge des Futters an“, erinnert sich Heinz Schwarzbach, der zu den Gründungsmitgliedern der damaligen „Sparte“ gehörte. Und viel Futter bekam nur der, der für den Export Nachzuchtvögel zur Verfügung stellte. Sich darum zu kümmern, das Liefern und Bestellen in den Griff zu bekommen, ging natürlich in der Gemeinschaft leichter. Für viele Jahre wurde deshalb die Garage des verdienstvollen Züchters zum Futter-Umschlagplatz. Zentner-Säcke verwandelten sich in kleinere Portionen, deren Inhalt den Sittichen, Finken, Fasanen und Enten der Vereinsmitglieder übers Jahr half.

Regelmäßig Ausstellungen

Den Zittauer Züchtern lag aber natürlich nicht nur die Futterlieferung am Herzen, man wollte der Öffentlichkeit auch zeigen, was in den heimischen Volieren flog und heran wuchs. Deshalb wurde schon ein Jahr nach der Gründung des Vereins die erste Exotenschau organisiert. Jedes der acht Gründungsmitglieder hatte im Vorfeld ordentlich zu tun, denn Volieren, Vitrinen und sonstige für eine Ausstellung benötigte Utensilien gab es nicht. „Wir schraubten, sägten und hämmerten bis zuletzt, oft ging es bis nach Mitternacht“, erinnert sich Heinz Schwarzbach, der als einziger auch heute noch Mitglied ist und das Gesicht des Vereins über viele Jahre als Vorsitzender prägte. Dabei war das Beschaffen von Baumaterial in jener Zeit oft recht schwierig. Wer vor hatte, seinen Vögeln eine Behausung zu bauen, der musste entweder gute Beziehungen haben oder wissen, wann Zement und Holz geliefert wurden, um sich schon am zeitigen Morgen zum Baustoffladen zu begeben. Not machte aber auch erfinderisch. So wurden zum Beispiel Frühbeetkasten-Fenster als Verglasungen für Finkenvolieren genutzt.

Im Dezember 1963 konnten die Zittauer Züchter schließlich 150 Tiere präsentieren, darunter Pfaue, eine Reihe von Fasanen, Kanarien, Wellen- und Nymphensittiche. Der strenge Winter mit teilweise bis zu 18 Minusgraden machte den Züchtern jedoch einen dicken Strich durch die Rechnung: Nur spärlich kamen die Besucher. Am Ende standen gerade einmal 20 DDR-Mark auf der Habenseite.

In den Folgejahren nahm das Interesse kontinuierlich zu. Man baute neue Ausstellungsvolieren, erweiterte den Tierbestand. Neben Zittau-Land entstanden mit Zittau-Stadt, „25. Jahrestag der DDR“, dem Kanarienverein und der Sparte Spitzkunnersdorf vier weitere Vereine, in denen insgesamt zwischen 80 und 100 Exotenzüchter organisiert waren.

Einschnitt „Wende“

Einen erheblichen Aderlass gab es kurz nach der politischen Wende. Der größte Teil der Züchter musste sich Anfang der 90er Jahre beruflich neu orientieren und stellte deshalb das Hobby Vogelzucht erst einmal hinten an. Für die Vereine in und um Zittau bedeutete dies das komplette Aus. Lediglich Zittau-Land hielt sich mit großen Anstrengungen, einem „harten Kern“ und der engagierten Leitung durch Heinz Schwarzbach „über Wasser“. Zeitweise waren weniger als zehn Mitglieder eingeschrieben. Ausstellungen erforderten riesige Anstrengungen – nicht jedes Jahr gelang es, diese zu stemmen. Mitte bis Ende der 90er Jahre stabilisierte sich die Lage wieder. Einige Züchter entdeckten ihr Hobby neu, andere stießen als Neueinsteiger zum Verein hinzu. 2001 zur 31. Vereinsschau konnten rund 420 Vögel gezeigt werden – ein Erfolg, auf dem nun kontinuierlich aufgebaut wird. Mittlerweile werden den Besuchern regelmäßig zwischen 450 und 500 Vögel gezeigt – vom kleinen Tigerfink bis zum großen Rosakakadu.

Allerdings kristallisiert sich auch im Zittauer Raum ein Problem immer deutlicher heraus: Es fehlt an interessiertem Züchternachwuchs. Zwar ist der Verein noch kein „Club der alten Herren“, aber Interessenten unterhalb der 30 fehlen leider komplett. Ohne die zahlreichen Senioren wäre es schlicht unmöglich, manche Dinge – wie den Aufbau und die Rekonstruktion der Ausstellungsvolieren – in den Griff zu bekommen. Zudem besitzen die langgedienten Vereinsmitglieder das Gros des Tierbestandes. Das „Mittelalter“ muss sich aufgrund beruflicher Verpflichtungen meist mit pflegeleichten Arten und einem überschaubaren Bestand begnügen. Immerhin liegt die Mitgliederzahl beim Verein Ziergeflügel und Exoten Zittau-Land e.V. momentan stabil um die 30 – eine Größenordnung, mit der man hoffnungsvoll in die nächsten Jahre gehen kann.



Impressum | Datenschutz